Der GegenStandpunkt frisst Kinder.

-- und in den Kinderzimmern linker Philosophen brennt noch Licht.

Mitten in der Nacht, da bloggen auch Leute, von denen man schon hoffte, sie hättes es aufgegeben. Leute, die meinen, sie hätten Erhellendes beizutragen gegen Leute, deren Argumente sie nicht zur Kenntnis genommen haben, sondern die sie nur als Denunziationsmaterial gebrauchen. Nun sind Themen wie die Kritische Theorie kontrovers — und die Kontroverse entschärft sich nicht, wenn man ihren Fans Argumente an die Hand gibt, die dazu führen sollten, die Philosophie und ihr — auch „kritisches“ — Legitimationsdenken zu unterlassen. Nein, der Gegenangriff verläuft so:

1. Die Erkenntnismethode des Gegners ist falsch, weil versucht wird, eine Sache als „falsch oder richtig herauszustellen“, und dabei nichtmal auf einem „Grundlagentext zur Logik“ aufgebaut wird. Nein, es geht um „100%-ige Rationalität“, also eine Sache, die schon „an sich zu kritisieren wäre“.

2. Der Gegner ist eine fiese Sau und reist Aussagen aus dem Zusammenhang, um ihre Blödsinnigkeit zu beweisen. Dabei ist in Wirklichkeit der Gegner blödsinnig, so sehr nämlich, dass er nicht in der Lage ist, „die komplexe Dialektik kritischer Theorie auch nur annähernd zu erfassen“.

3. Keine Diskursregel, die man doch heutzutage in jedem Proseminar lernt, wird vom Gegner akzeptiert! Er mag nicht einsehen, „dass es gewisser, letztendlich nicht begründbarer Grundprämissen braucht, um diese Gesellschaft radikal kritisieren zu können“. Nein, der Gegner sucht stattdessen nach Begründungen.

4. Niemals versuchen diese Gegner, den „Kategorien gerecht zu werden“, keine Empathie gegenüber den Dingen! Keine Bereitschaft, „den Standpunkt der Opfer zu beziehen“! Und keine Bereitschaft, mal psychologisch zu denken!

5. Überhaupt, dieser Gegner, was will der denn? Was is‘n das für einer? Ist es für dessen Anhänger „nicht am Klügsten, eine Diktatur aufzubauen“? Ja, das Denken des Gegners zielt letztlich auf Euthanasie, denn „was für einen Nutzen bringt mir die Existenz eines von Geburt an Behinderten“? (Siehe Titel des Postings)

***

Das kann man exemplarisch, Punkt für Punkt, bei antikapl nachvollziehen. Weil derselbe sich garnicht einer Kritik der Einwände gegen die KT zuwendet, sondern in der Rechtfertigung einer philosophischen Rechtfertigung, also der Anwendung der Philosophie auf sich selbst übt, genügt mir das Raisonnement über die Selbstauskunft, die der Autor damit erteilt:

Die Heranziehung der allmählich reifenden Persönlichkeit zu „mitverantwortlicher Mitgestaltung“ […] ergänzt eine Herzens- und Geistesbildung, die es dem Verstand zur Gewohnheit macht, an jeglichem ihm vorgelegten Gegenstand die Gelegenheit zur Demonstration von Kritikfähigkeit, Verantwortungsbewußtsein und Selbständigkeit aufzuspüren, also das Wissen als eine Angelegenheit der intellektuellen Heuchelei zu praktizieren.1

Entschuldigt, dass es heute einmal sachlich zugehen musste bei GR/ML. Die ein oder andere Invektive bedarf der Erklärung, damit die Leute aus der Beleidigung nicht wieder den immer verkehrten Schluss ziehen, sie hätten deshalb „den Standpunkt der Opfer zu beziehen“. Wenn antikapl Belletristikkurse für Kritische Theoretiker erteilt, gibt es dort nur eine Lektion zu lernen: dass es nichts bringt, diesen Blödsinn mitzumachen.

Kritik als Haltung, also Kritische Theorie, taugt nichts, Kritik als Resultat der Prüfung eines Gegenstandes — eine Sache, die es bei Marx zu lernen gäbe, nicht bei Adorno — dafür sehr.

  1. aus Marxistische Gruppe: Die Psychologie des bürgerlichen Individuums, München 1981: §6.6, S. 57. [zurück]

14 Antworten auf “Der GegenStandpunkt frisst Kinder.”


  1. 1 Antikapl 20. Mai 2007 um 18:09 Uhr

    Durch deinen Text fühle ich mich eigentlich nicht widerlegt. Ich bleibe dabei, dass sich der GSP auf die Grundlage bürgerlichen Denkens stellt, ohne über diese Grundlage selbst auch nur annähernd zu reflektieren. Nutzen- und Mittel-Zweck-Denken ist zwar sicher nicht verkehrt, aber das auch nur, weil man in der bürgerlichen Gesellschaft nunmal so zu denken hat. Wenn man aufhören würde, so zu denken, würde man halt scheitern. Und ich bezweifle weiterhin, dass solches Denken als Grundlage einer nichtmehr-bügerlichen Gesellschaft hergenommen werden kann, bzw. dass es letztendlich eben doch eine gewisse Moral braucht (was jetzt nicht heißt, dass man da irgendeine Moral verwenden könnte), um der kapitalistischen Ideologie ernsthaft etwas entgegenzusetzen können.
    Letztendlich ist es halt so, dass man sich seine Maßstäbe natürlich aus der jener Ideologie herausgreifen muss. Der GSP betreibt halt immanente Kritik, obwohl er das nicht zugeben will.

  2. 2 Administrator 21. Mai 2007 um 0:21 Uhr

    Ich wollte dich nicht widerlegen, sondern kritisieren, und das in polemischer Weise, denn ich habe einen Ruf zu verlieren.

    Anhand der obigen fünf Punkte habe ich dir vorgemacht, dass der Inhalt deines Postings sich garnicht dem Gegenstand zuwendet, sondern du dir Denunziationsgründe gegen die Gegenstandpunktler zusammensuchst. Da kommen dann Dinge raus wie: die haben eh keine Ahnung von der Sache, die argumentieren auf einer „falschen“ Ebene, die wenden fiese Tricks an, das sind in Wirklichkeit Anhänger einer Diktatur usw. – Nur: in der (in ihrer Durchführung noch dazu schwachsinnigen*) Benennung dieser Punkte ist noch keine Kritik geleistet worden, und was an Kritik zur Sache bei dir steht, ist schon im Vortrag gut auseinander genommen worden (mittlerweile haben es lysis und ich für dich sogar wiederholt).

    Wenn du das nicht zur Kenntnis nimmst, und wenn dir nichtmal auffallen mag, wie sehr du schon Argumentation durch freies Assoziieren ersetzt hast (das habe ich in meinem Posting vorzuführen versucht), hast du die Unsitten bürgerlicher Wissenschaft schon so gut verinnerlicht wie sonst nur Viertsemestler. Genauso wie deine Vorbilder der KT geht es dir ums Zur-Schau-Stellen einer kritischen Haltung, die als „intellektuellen Heuchelei“ schon korrekt benannt wurde.

    Du musst dich nicht widerlegt fühlen. Du bist es. Nicht durch mich, sondern durch die KT-Kritik der MG. Daran ändert deine subjektive Setzung, mit der du deinen Kommentar einleitest („Ich fühle…“), nichts. So ein Scheiß hat ihren Platz in jeder Seminararbeit, hat aber in der Wissenschaft trotzdem nichts verloren.

    (* Was für einen guten Grund für Sozialismus und Kommunismus sollte es denn geben *außer* einem rationalen, der auf „Nutzen- und Mittel-Zweck-Denken“ beruht? Ich will halt eine Gesellschaft haben, in der ich meine Bedürfnisse befriedigt kriege, das ist mein Zweck. Und zur Durchsetzung suche ich mir Mittel die hiesige Gesellschaft abzuschaffen und eine andere hinzustellen, die meinem Zweck entspricht.)

  3. 3 Administrator 21. Mai 2007 um 9:58 Uhr

    Noch etwas dazu, weil ich es leider häufig hören muss:

    [quote comment=“232″]Und ich bezweifle weiterhin, dass solches Denken als Grundlage einer nichtmehr-bügerlichen Gesellschaft hergenommen werden kann, bzw. dass es letztendlich eben doch eine gewisse Moral braucht (was jetzt nicht heißt, dass man da irgendeine Moral verwenden könnte), um der kapitalistischen Ideologie ernsthaft etwas entgegenzusetzen können.[/quote]

    Bürgerliche Moral IST eine „kapitalistische Ideologie“. Da geht es darum, die Zwecke und ihre schädlichen Wirkungen ideell aufzuwerten, um den Laden mit einem guten Gewissen betreiben zu können. Das ist auch ein Grund dafür, warum den Leuten das Argument einleuchtet, der Kapitalismus sei im Grunde eine „nützliche“ Angelegenheit bzw. trotz aller negativer „Erscheinungen“ eine unterstützenswerte Sache: sie erlaubt den Materialismus der Leute (also ihren Privatgeschäften nachzugehen), der nur mit Hilfe der Regeln des bürgerlichen Anstands betrieben werden muss — schon kann man die ganzen Chancen, die man in der kapitalistischen Welt entdeckt, für sich nutzen. Das ist eine Technik der lohnenden Selbstkontrolle, die bürgerliche Individuen in Übereinstimmung mit der Staatsgewalt bringt – und eben nicht in Gegnerschaft.

    Hier sind wir genau am Punkt: wir haben es im Kapitalismus nicht einfach mit einem Irrtum der Leute über die Welt zu tun (dass sich Kapitalismus lohnen würde, dass er für sie eingerichtet ist, dass er lauter aufzugreifende Chancen bereithält usw.), sondern mit einer realen Gewalt! Der kann ich zum Zwecke ihrer Beseitigung keine „andere“ Moral entgegensetzen (indem ich Kapitalismus z.B. für „unsittlich“ erkläre), sondern wieder nur Gewalt, nämlich revolutionäre Gewalt. Bedingung ist natürlich, dass Leute einsehen, dass sie die Unkosten der heutigen Gesellschaft tragen und dass das Gründe hat, die jenseits ihrer Verklärungen der Zustände und auch jenseits irgendeiner Ersatz-Moral liegen.

  4. 4 Das geprüfte Argument 21. Mai 2007 um 10:04 Uhr

    (* Was für einen guten Grund für Sozialismus und Kommunismus sollte es denn geben *außer* einem rationalen, der auf “Nutzen- und Mittel-Zweck-Denken” beruht?)

    Das ist tatsächlich der springende Punkt. Weder bei dem Text von Antikapl, noch bei seinem Kommentar findet man nämlich einmal mal ein Argument, was an „Nutzen- und Mittel-Zweck-Denken“ a) bürgerlich ist und b) wenn nein, es dann ein Denkverbot diesbezüglicher Begriffe geben sollte. Antikapl macht den gleichen Fehler wie die KT, welche diese Begriffe trotz ihrer hohen Abstraktion (!) ganz bestimmt auf den Geschäftsverkehr im Kapitalismus verpflichtet, also mit rationaler Kalkulation immer schon die des bourgois, des ökonomischen Konkurrenten meint. Mithin wird also schon eine bestimmte Kalkulation, nämlich die, den Konkurrenten beim Gelderwerb fertig zu machen einfach in die Begriffe hineingeschummelt. Dass das ein Fehler ist, kann leicht nachgewiesen werden: Die Begriffe Zweck, Mittel, Nutzen gab es längst in vorkapitalistischen Gesellschaftsordnungen, eben mit ganz anderen Inhalten. Schon daran müsste auffallen, dass es nicht die Begriffe/Kategorien sind, die einem hier das Leben schwer machen, sondern deren bestimmte Inhalte.

    Ja klar, wenn diese Leistung erst einmal vollbracht ist, kann der kritische Philosoph seine permanente Hinterfragtour starten und „bürgerliches Denken“ kritischst hinterfragen. Dabei können natürlich keine vernünftigen Ergebnisse zusammenkommen, weil er ja auf der falschen Spur ist und nicht die Inhalte der Kategorien/Begriffe bestimmt, sondern eben jene selbst! Und dann ist es auch kein Zufall, wenn man bei derartigem Skeptizismus nicht mehr weiterkommt und letztlich rettend die Moral als kritisches Vorurteil einführt, weil man ja sonst den Widerspruch einerseits Kritiker sein zu wollen und andererseits aber nicht bestimmte Begriffe benutzen darf lösen kann.

    Blöd ist das nicht nur wegen des mangelhaft eingeschlagenen Weges, sondern auch, weil man sich faktisch jegliche allgemeine Grundlage der Kritik des Kapitalismus entzieht, statt wie KTler behaupten, schafft. Denn Moral ist als subjektives Gesetzesgebäude im Gegensatz zu wissenschaftlichen Bestimmungen gerade nichts, was allgemein gültiges formulieren kann – auch wenn Moralisten immer so tun, als gelte nur ihre Moral.

  5. 5 Das geprüfte Argument 21. Mai 2007 um 10:35 Uhr

    P.S.

    Dabei können natürlich keine vernünftigen Ergebnisse zusammenkommen, weil er ja auf der falschen Spur ist und nicht die Inhalte der Kategorien/Begriffe bestimmt, sondern eben jene selbst!

    Das muss ergänzt werden „jene selbst als Formen zum Gegenstand der Kritik erhebt“

  6. 6 Das geprüfte Argument 21. Mai 2007 um 11:33 Uhr

    Witzige Fußnote zu antikapl ist folgendes:

    Dass es allerdings in der bürgerlichen Gesellschaft immer wieder zu spontanen Ausbrüchen der Barbarei kommt, die sich als Widerstand gegen dieselbe legitimieren, ist ja wohl eine Tatsache (man denke nur an Selbstmordattentäter nicht nur im Irak, sondern gerade auch im zivilisierten Westen).

    Der kriegt es ja nicht einmal hin, seine eigenen Maßstäbe durchzuhalten, nämlich die „bürgerlichen Kategorien“ zu hinterfragen. Das, was er nämlich als „Barbarei“ bezeichnet, ist in seinem Urteil schlicht das negative Abziehbild der bürgerlichen Gesellschaft. Das merkt schon am Begriff selbst: Zivilisation auf der einen, Barbarei auf der anderen Seite. Aber auch am genannten Beispiel: Staatlich, wie rechtlich legitime Gewalt auf der einen, nichtstaatliche und damit illegitime Gewalt auf der anderen Seite. Die ganze Kritik auch hieran:

    Und woher kommen dann Amokläufer? Und Nazis, die Ausländer verprügeln? Und Schwulenmörder? Und Massenhysterien, religiöse Wahnbilder, Alltagsneurosen …???

    hat im Prinzip als Vorurteil die herrschenden Maßstäbe der bürgerlichen Gesellschaft schon längst mitgemacht! Ausländer misshandeln – bitte nur mit Vollstreckungstitel der Ausländerbehörde! Schwule umbringen – nicht, wenn sie dem Staat als Untertanen nützen! Religiöse Wahnbilder – lieber ein Religion, die in Anerkennung des Staates praktiziert wird! usw.

  7. 7 Das geprüfte Argument 21. Mai 2007 um 11:50 Uhr

    Und nicht zuletzt eine Sache, die bei GSP-Kritikern immer wieder auftaucht:

    Ein Hauptmangel des GSP gegenüber der Kritischen Theorie erscheint mir dessen mangelnder bzw. nicht vorhandener Totalitätsbegriff zu sein. Für die KT stellt die kapitalistische Gesellschaft eine unentrinnbare Totalität, einen Immanenzzusammenhang dar, in dem alles bis in die kleinste Regung des Alltagslebens und die Psyche der Menschen der kapitalistischen Verwertungslogik unterworfen ist. Der GSP leugnet hingegen glatt, dass sich die Macht des Kapitals über alle, auch über die Herrschenden selbst, und auch noch über andere Lebensbereiche als nur den der Wirtschaft erstreckt. Er vermag es nur, die Produktionssphäre einer Kritik zu unterziehen, obwohl doch gerade auch die Konsumption in der kapitalistischen Gesellschaft hochgradig entfremdet und heteronom abläuft und nur ihrer Ideologie gemäß die Bedürfnisse der Konsumenten wirklich befriedigt.

    Wenn ich sowas lese, dann weiß ich als GSP-Leser, dass derartige Aussagen schlicht gelogen sind und von einer Unkenntnis des GSPs zeugen. Weder leugnet der GSP, dass die Herrschenden bestimmte Ideologien vertreten, noch hat er sich bisher nicht um eine Kritik des Alltags, inkl. der dort vorhandenen Macken gedrückt: vgl. „Die Psychologie des bürgerlichen Individuums“

    Dass der GSP den Begriff der Totalität von der KT nicht übernommen hat, ist zumdem kein Argument für letzteres und somit auch keins gg. den GSP. Dies wäre vielmehr der Auftakt zur Nennung guter Gründe, sich diese Vorstellung anzueignen…aber die findet man beim Text von antikapl nicht.

  8. 8 moritz 21. Mai 2007 um 14:40 Uhr

    Einen Text, der so dermaßen vor Ahnungslosigkeit und Dummheit strotzt, dass kaum ein richtiger Satz vorkommt, bekommt man wirklich nicht alle Tage geboten! Deshalb zu dem ganzen Geschwurbel auch nur der simple Hinweis von wegen ‚der GS kritisiert nur die Produktionssphäre und blendet den Konsumbereich aus‘: „Konsum und Kapital“ (März 2007)

    Vielleicht klappt’s mit dem Hören ja besser als mit der verständigen Lektüre …

  9. 9 MPunkt 21. Mai 2007 um 15:18 Uhr

    Und ich bezweifle weiterhin, dass solches Denken als Grundlage einer nichtmehr-bügerlichen Gesellschaft hergenommen werden kann, bzw. dass es letztendlich eben doch eine gewisse Moral braucht (was jetzt nicht heißt, dass man da irgendeine Moral verwenden könnte), um der kapitalistischen Ideologie ernsthaft etwas entgegenzusetzen können.

    Dagegen ergänzend zu gr/ml noch ein eher methodisches Argument: antikapl macht da gar keine Aussage über Moral, sondern schummelt ihre „Notwendigkeit“ durch einen Trick herein. Statt zu sagen, was Moral ist und warum die deshalb etwas taugen soll, führt er ihre Nützlichkeit als Argument für sie ins Feld. Ohne sie, soll man gar nicht wirklich gegen Kapitalismus sein können. Der Witz ist nun, dass das als Argument für Moral höchstens Leuten einleuchten kann, welche bereits (also auch ohne Moral) wirklich gegen Kapitalismus sind; sonst wäre das denen nämlich egal, ob man ohne Moral wirklich gegen ihn seien kann. Jene werden diesen Trick aber vermutlich durchschauen :D

  10. 10 Antikapl 21. Mai 2007 um 15:23 Uhr

    Naja, von Leuten aus dem GSP-Umfeld kommen immer wieder Sprüche wie „am Konsum ist ja an sich nichts verkehrt“ etc.
    Und ich glaube nicht, dass die Unterschiede zwischen Nationalsozialismus, Stalinismus, liberalem Rechtsstaat* etc. damit abzuhandeln sind, dass es sich da um „unterschiedliche Ideologien der Herrschenden“ handele.
    Ich würde zudem bestreiten, dass es die Mittel-Zweck-Nutzen-Rationalität schon immer gegeben hat und das man sie schon allein aus diesem Grund überhaupt nicht kritisieren könnte. Sie ist halt zur Rechtfertigungsideologie des Kapitalismus geworden, obwohl sich die Menschheit vom Naturzwang, der ihre Grundlage bildete, schon längst emanzipiert hat. Genauso zweckrational wie der GSP denkt doch jeder Unternehmer oder Politiker. Am GSP ist immerhin zu Gute zu halten, dass er diese gegen die Verhältnisse lenkt, eben als immanente Kritik. Man müsste aber als Communist eben auch auf die Möglichkeit einer Gesellschaft verweisen, die tendenziell jenseits dieses Denkens, das untrennbar mit dem Zwang, der sich im Kapitalismus trotz der tendenziellen Aufhebung des Naturzwangs eben als gesellschaftlicher fortexistiert, verbunden ist, liegt.

    * Ich verwende jetzt den Begriff „liberaler Rechtsstaat“ wohlgemerkt nicht, um diesen gegenüber NS und Stalinismus zu affirmieren, sondern einfach in deskriptiver Art und Weise.

  11. 11 Administrator 21. Mai 2007 um 16:58 Uhr

    [quote comment=“241″]Genauso zweckrational wie der GSP denkt doch jeder Unternehmer oder Politiker.[/quote]

    Mensch, checkst du garnichts? Es kommt schon auf den INHALT dieser „Rationalität“ an, d.h. die Zwecke, für die man sich die geeigneten Mittel sucht. DASS man sich für einen eigenen Zweck auch Wege wählt, die auf eine Durchsetzung zielen, ist doch nicht „Kapitalistisches“, sondern klug. Wenn ich warmes Essen haben will, schieb ich es mir in die Mikrowelle — Das ist doch kein bourgeoiser Standpunkt.

  12. 12 Theodor W. Adorno 22. Mai 2007 um 23:53 Uhr

    „Kritik als Haltung, also Kritische Theorie, taugt nichts, Kritik als Resultat der Prüfung eines Gegenstandes — eine Sache, die es bei Marx zu lernen gäbe, nicht bei Adorno — dafür sehr.“
    -- Was für ein vollkommen ahnungsloser Mumpitz! Bittebitte nichtmehr schreib-schreib machen, wo Du keine Ahnung von hast, ja? Gott vergelt’s!

  13. 13 Administrator 23. Mai 2007 um 8:04 Uhr

    Du könntest es mir ja gleich tun und eine Begründung nachschieben. Wenn ich mich geirrt habe, halte ich sicher auch nicht dran fest.

  14. 14 Marx Korkheimer 23. Mai 2007 um 9:56 Uhr

    Man kann das Zitat von GR/ML ja ruhig noch etwas ausführen:

    Kritik als Haltung taugt halt deswegen nichts, weil über den Gegenstand der Kritik nichts gesagt ist, nur weil ich ihm kritisch gegenüberstehe. Dieser Fehler der Kritischen Theorie folgt aus deren falscher Kritik am Positivismus damals. Letzterer postulierte nämlich eine Rechtfertigung der gesellschaftlichen Zustände darüber, dass sie sind. Statt nun diese komische Tautologie bzw. überhaupt mal zu kritisieren, dass die Frage nach einer Rechtfertigung ja selbst gar nichts zur Sache beizutragen hat, sondern nur nach guten Gründen fragt, wendeten Kritische Geister wie Adorno den Positivismusstandpunkt nur negativ. Eben, weil eine gesellschaftliche Sache besteht, stellt man sich erst einmal eher kritisch zu ihr, war das Postulat Kritischer Theorie.
    So ein Blödsinn! Das kommt doch ganz auf den Inhalt einer Sache an, ob ich sie kritisiere oder nicht. An einer Gesellschaft, in der ich wenig arbeiten muss und an dem erarbeiteten Reichtum nach meinen Bedürfnissen konsumieren kann, kritisiere ich doch nicht! Ob eine Gesellschaft aber so beschaffen ist, oder eher schädlich wie der Kapitalismus, kriegt man nicht durch eine Haltung heraus, sondern durch ihre wissenschaftliche Betrachtung.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.

Empfehlungen