Archiv für Oktober 2006

Alles oder nichts! 2

oder: Pluralismus als Argument.

„Und hat sie eine Kampagne verdient, die sich im wesentlichen daran aufhängt, daß die Jungle World eine Debatte pflegt, in der unterschiedliche Standpunkte zur Sprache kommen? Auf keinen Fall. Denn das erscheint mir der wesentliche Punkt zu sein: statt wie sonst so typisch für linke Publikationen eine bestimmte Linie durchzudrücken, die dann in sich geschlossen und zustimmungskompatibel ist, versammelt die Jungle World Widersprüche und Kontroversen.“

(meint Daniel Kulla)

Die Auflösung der Frage, warum das in Wirklichkeit nicht für die Jungle World spricht, insofern es jede bürgerliche Presse für sich in Anspruch nehmen wird, pluralistisch zu sein, sondern gegen sie, ist beim Kulla, er mag sich wohl, antideutsch wie er ist, nicht so recht auf den Gegenstand einlassen, wieder eine Frage:

„Warum ist werde ich wohl gelegentlich dort veröffentlicht?“

So viele Berichte. So viele Fragen. Und in der Jungle World nur Scheiße. Abbestellen!

Gerade beim Surfen gemerkt

…wie viele Idioten derzeit zu ihrem gerechten Ende kommen.

Winke, winke, dumme Linke!

Angeblich gehts dem GegenStandpunkt-Verlag finanziell auch nicht gut. Aber wir wollen mal nicht orakeln.

Alles oder nichts!

Und weil die Jungle World gerade in Schwierigkeiten steckt, habe ich heute zwei Menschen überzeugt, ihr demnächst auslaufendes Abonnement nicht zu verlängern. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Veranstaltungsankündigung

Psycho II – über die unsinnige Suche nach dem großen Glück im Liebesleben
Dienstag, 12. Dezember, 20 Uhr Ort: Bürgerwache am Siegfriedplatz , Rolandstr. 16, Bielefeld, Raum 07

Dass die Thematisierung gerade dieses Gegenstands Sinn macht, muss wohl nicht weiter begründet werden. Dazu reicht es ja, sich nur ein wenig in den einschlägigen Foren (KF) und Blogs (blogsport) umzuschauen. Was man da an „Erklärungen“ geboten bekommt spottet ja z.T. jeder Beschreibung.

Zur Einführung ins Thema hier ein Mitschnitt einer bereits gelaufenen Veranstaltungen, der die Positionen des GegenStandpunkt inhaltlich gut zusammenfasst.

Lacher des Tages (GSP, of course)

„Nein, ich meine das ernst: Bei Argumenten helfen Bilder, Photos oder Grafiken z.B nur begrenzt. Bei einem DIN A4-Layout, das eh am praktischsten ist, weil man das Zeug dann einfacher herstellen und kopieren kann eh. Also ist ein “klassisches Zweispalten-Layout mit normaler Fließtext-Schrift das leserlichste. Ein bißchen Kasten, ein bißchen Background ok, mehr muß für mich nicht sein. Ich glaube auch nicht das “tolles Klimbim” substantiell zur Überzeugung beiträgt, die man mit den unters Volk gebrachten Argumenten zu Wege bringen will.“

(Quelle.)

(Man bemerke übrigens den Widerspruch: eine „Massen-“, also populistische Zeitschrift herausgeben zu wollen, aber eine Bleiwüste auszuliefern, die genau am Zweck — nämlich tatsächlich gelesen zu werden; was wohl unstrittige Voraussetzung ist, sich die „Argumente mal anzuschauen“ — vorbei geht. The medium is the message — aber niemand liest graue Messages.)

Weblogs nerven

der beweis: hier. trotzdem lese ich manchmal blogs. das mädchenblog, weil ich mich da gut über diesen lookism-konstruktivismus-blödsinn aufregen kann. muedchen für meine selbstmitleidigen emo-kicks, auch wenn es da manchmal zu theatralisch oder tiefsinnig zugeht. kulinaria katastrophalia zur virtuellen sublimierung meines trophohedonismus, auch wenn manchmal ekliger scheiß dabei ist und ich mich dann freue, dass mir meine mutti immer sehr bodenständige sachen kocht oder vor die mikrowelle bereitlegt. aber selber einen blog machen, das würde ich nie.

Die Bewaffnung mit Argumenten im Stande ihres Fehlens

Die Forumsinitiativsozialisten von der Initiative Sozialistisches Forum (ISF) Freiburg, einer Stadt nicht größer als Chemnitz, womit alles über die Stadt gesagt ist, hatten wieder Auswurf. In Karl Marx, Israel und die Militanz der Vernunft raunt und maunzt es ahnungsvoll: „Gesellschaft ist ein Bestiarium“.

Damit ist auch schon der entscheidende Hinweis gegeben auf den Autor, Gerhard Scheit nämlich, der schon vor gut einem Jahr (remember: Bahamas-Konferenz) den Behemoth säuseln hörte, wo er lieber den Leviathan hören will, weil er nicht nur Freund der bürgerlichen Demokratie (abzüglich ihres „Appeasement“) ist, sondern so über den Staat zu reden und schreiben pflegt wie der Bruhn über’s Kapital. Seinerzeit, auf der Konferenz, kam er zu der Ansicht, dass nur neokonservative Christen den Neoliberalismus vor seiner Selbstzerstörung bewahren könnten (Vgl. Bahamas 49, S. 31ff). Das antideutsche Multitool bleibt jedoch Israel, so heißt es nun:

„Kein Staat verdient zu existieren, außer, als Notwehr, Israel. […] Und darum war der Krieg der israelischen Armee gegen die Hizbollah ein guter Beweis dafür, daß die Militanz der Vernunft noch Zukunft hat. Anders gesagt: die israelische Armee ist der bewaffnete Arm der revolutionären Kritik im Stande ihrer gesellschaftlichen Unmöglichkeit.“

Das ist ein alter Hut, denn dass Israel „der bewaffnete Versuch der Juden“ sei, „den Kommunismus lebend zu erreichen“, wusste die ISF schon vor vier Jahren. Der Gedanke aber, dass — ausgerechnet — eine Militanz instrumenteller Vernunft der Revolution den Platz warmhalten soll, beängstigt mich; die Art der Revolution wird immerhin offen gelassen. Dass diese Militanz jedoch Zukunft hat, das stimmt schlechterdings.

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